300 Jahre Nachhaltigkeit im Schnelldurchlauf

Wer auch immer sich heutzutage mit dem Begriff Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung auseinandersetzt, weiß nicht unbedingt wie alt diese beiden Begriffe sind. 

Für all jene, die gerne mehr wissen möchten – bitte weiterlesen: 

Ursprung in der deutschen Forstwirtschaft

Die Annahme, dass Nachhaltigkeit etwas recht Neues und Modernes sei, ist ein Trugschluss. Tatsächlich ist sie alt. Sehr alt. Und bevor sie zur hochglänzenden CSR (Corporate Social Responsibility) wurde, kam sie in einem biederen, deutschen Förstersgewand daher. 

Richtig gehört. Nachhaltigkeit ist “Made in Germany”. Made in Sachsen, um präzis zu sein. 

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Bild: Hans Carl von Carlowitz, Pop-Art Porträt von Smetek

Im Jahr 1713 schrieb der sächsische Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz in einer Abhandlung darüber, dass nur so viel Holz gefällt werden dürfe wie auch wieder durch Aufforstung nachwachsen kann. Die Idee klingt banal, war zum damaligen Zeitpunkt aber bahnbrechend. 

Holz war damals eine wichtige Ressource für den Hausbau, Schiffsbau aber auch als Brennstoff zum Kochen und Heizen notwendig. Dies führte zum Problem der Entwaldung und Verödung – eine Gefahr, die gravierende wirtschaftliche Auswirkungen auch für das vom Erzabbau abhängige Sachsen hatte. Carlowitz erkannte dies und widmete seine Abhandlung dem sächsischen König August dem Starken – wohl wissend, dass der Adel die Macht und das Geld hatte, Dinge im Land zu ändern. 

„Verwundern muß man sich wohl, daß die meisten vermögensten Leute auf grosse Häuser, Palläste, Schlösser und dergleichen Baue, ihr meist Vermögen anwenden; wäre aber vielleicht vorträglicher wenn sie ihren Grund und Boden anzubauen, und zu verbessern suchten, als welches doch ihnen so wohl, als denen Nachkommen und dem gemeinen Besten weit nutzbarer fallen dürffte.“
Hans Carl von Carlowitz, Zitat aus seinem Werk “Sylvicultura oeconomica” 

Sein Traktat kam an und führte schließlich zum nachhaltigen Aufforsten in Sachsen. Die Geburtsstunde nicht nur der nachhaltigen Forstwirtschaft, sondern der Nachhaltigkeit selbst. 

Soziale Verantwortung und die Grundsätze des “ehrbaren Kaufmanns

Soziale unternehmerische Verantwortung wie wir sie heute kennen, entstand eigentlich schon im Mittelalter im Umfeld der hanseatischen Kaufleute in Hamburg. 

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Bild: Petrus Christus “Der Goldschmied”, 1449

Damals waren viele von ihnen noch zu Fuß unterwegs und es fiel ihnen schwer, Vertrauen zu neuen Kunden aufzubauen und nicht als Betrüger abgestempelt zu werden. Einige Kaufleute beschlossen, sich zusammen zu tun und ein Kaufmannsrecht von “Treu und Glauben” zu etablieren.

Dieses regelte rechtliche und kaufmännische Aspekte, war aber gleichzeitig tief in die Kultur des Mittelalters eingebettet: der ehrbare Kaufmann stand in der Tat für die “Ehre”, die damals das höchste Gut einer Gesellschaft darstellte. Die Prinzipien sollten dabei helfen, die von der städtischen Gemeinschaft gewünschten Verhaltensweisen zu erfüllen. Die Geburtsstunde der “Compliance“, wenn man will. 

Die vermeintlich altmodischen Tugenden wie Ehrlichkeit, Verlässlichkeit und Integrität haben bis heute Bestand in vielen Mission Statements internationaler Konzerne. Zudem sind sie wichtiger denn je! 

Der Ehrbare Kaufmann als Person:

Sich zur Einhaltung von Werten verpflichten 
Der Ehrbare Kaufmann…
… ist weltoffen und freiheitlich orientiert.
… steht zu seinem Wort, sein Handschlag gilt.
… entwickelt kaufmännisches Urteilsvermögen 

Der Ehrbare Kaufmann in seinem Unternehmen:

Bedingungen für ehrbares Handeln schaffen 
Der Ehrbare Kaufmann…
… ist Vorbild in seinem Handeln.
schafft in seinem Unternehmen die Voraussetzungen für ehrbares Handeln.
legt sein unternehmerisches Wirken langfristig und nachhaltig an. 

Der Ehrbare Kaufmann in Wirtschaft und Gesellschaft:

Den Rahmen für Ehrbares Handeln begreifen und gestalten
Der Ehrbare Kaufmann…
… hält sich an das Prinzip von Treu und Glauben.
… erkennt und übernimmt Verantwortung für die Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung.
… tritt auch im internationalen Geschäft für seine Werte ein. 

Die Versammlung eines ehrbaren Kaufmanns zu Hamburg e.V. hält sich bis heute an die oben genannten Grundsätze. Mehr Infos zu diesem über 500 Jahre alten Verein gibt es hier. 

Wie aus den oben stehenden Informationen erkennbar ist, sind uralte Ideen nicht unbedingt staubig und für die Mottenkiste bestimmt, sondern haben auch in der heutigen Zeit Gültigkeit und Bedeutung. 

2 Gedanken zu „300 Jahre Nachhaltigkeit im Schnelldurchlauf“

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